08.06.2020

PCB

Erhöhte PCB-Messwerte in Körne gemessen – Stadt empfiehlt vorsorglich auf den Verzehr verschiedener Gemüsesorten zu verzichten

In Dortmund Körne wurde eine erhöhte PCB Belastung festgestellt. Bertoffen sind leider auch vier Gartenanlagen.

Ihre Verantwortung für den vorsorgenden Gesundheitsschutz hat die Stadt Dortmund dazu veranlasst, vorsorglich Empfehlungen für den Verzehr und den Nicht-Verzehr bestimmter Gemüse- und Obstsorten für einen lokal begrenzten Bereich in Körne auszusprechen, obwohl keine akute Beeinträchtigung der Gesundheit zu befürchten ist.

Damit kommt die Stadt einer Empfehlung des Landesamts für Natur, Umwelt-und Verbraucherschutz (LANUV) nach. Bei Messungen des LANUV im Umfeld der Firma M+S Silicon Gmbh & Co. KG in Dortmund-Körne sind aktuell erhöhte PCB-Werte festgestellt worden. Die Untersuchungen hat das LANUV im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MULNV) durchgeführt und ausgewertet.

Anlass war das Austreten von mit PCB (Polychlorierte Biphenyle) belasteten Flocken Ende 2019 bei einem Unternehmen in Ennepetal. Landesweit wurden 7 weitere Unternehmen identifiziert, die ebenfalls Silikon-Produkte herstellen und dafür einen Prozess in Gang setzen, bei dem chlorhaltige
sogenannte „Vernetzer“ eingesetzt werden. Dabei kann PCB entstehen und über die Abluftkamine der Produktionsöfen freigesetzt werden.

Das Unternehmen M+S Silicon Gmbh & Co. KG in Dortmund-Körne gehört zu diesen Unternehmen. Dort werden von rund 160 Beschäftigten neben anderen Produkten auch silikonbasierte Bauelemente für Schienenfahrzeuge und medizinische Geräte hergestellt. Für diese Produkte war der Einsatz dieser Sorte Vernetzer bislang Standard.

Die Stadt Dortmund wurde durch das MULNV und die „gemeinsame Untere Umweltschutzbehörde der Städte Dortmund, Bochum und Hagen“ (gUU) umgehend (am 28. Mai 2020) über die Messwerte in Kenntnis gesetzt. Daraufhin hat die Stadt einen Sonderarbeitskreis unter Federführung des Umweltamtes ins Leben gerufen, um die Informationen und das weitere Vorgehen effektiv zu koordinieren.

Auch das Unternehmen wurde eingebunden. Die Stadt sieht sich in der Vorsorgepflicht in Sachen Gesundheit und Umweltschutz. Die Information der Öffentlichkeit hat hier die oberste Priorität.

Die Messwerte beruhen auf der Untersuchung von Löwenzahl-Pflanzen

Die Messwerte am Löwenzahn sind lediglich ein Indikator dafür, dass es im Umfeld der Emissionsquelle lokal zu einer umweltrelevanten Schadstoffimmission gekommen ist. Ob die PCB-Immissionen gesundheitliche Auswirkungen haben können, lässt sich erst durch weitere Untersuchungen verlässlich einschätzen. Um mehr Klarheit zu gewinnen und gleichzeitig die weitere Entwicklung im Blick zu behalten, werden diese zusätzlichen Untersuchungen jetzt angestoßen: Messungen der Luft, des Umgebungsstaubs und des Bodens. Auch weitergehende Nahrungspflanzen-Untersuchungen (Grünkohl) sind geplant, um die Immissionsbelastung und die gesundheitliche Relevanz besser verifizieren zu können. Ein genaues Untersuchungskonzept wird derzeit gemeinsam mit dem LANUV erarbeitet. Zum Grünkohl ist mit Ergebnissen allerdings frühestens im nächsten Jahr zu rechnen, was schlicht mit der Anbau- und Erntezeit, also dem natürlichen Jahreszyklus zusammenhängt.

Verzicht auf Gemüsesorten aus dem Garten

Von den Menschen im direkten Umfeld sollten vorsorglich die Empfehlungen für den Anbau und Verzehr von Nutzpflanzen beachtet werden. Betroffen von den Empfehlungen sind die Pächter von Grundstücken in 4 Kleingartenanlagen rund um das Gewerbegebiet in Körne (GV Lenteninsel, GV Schwarzer Kamp, GV Nord-Ost, GV Frohes Schaffen) mit insgesamt rund 550 Parzellen – außerdem Pächter von Grabeland-Grundstücken sowie einzelne Gärten mit Nutzpflanzenanbau im angrenzenden Wohngebiet. Konkret verzichtet werden sollte vorsorglich vor allem auf großblättriges Gemüse wie Grünkohl, Mangold, Spinat, Pflücksalat, Feldsalat, Rucola Rübstiel, Staudensellerie und Kräuter in größeren Mengen. Früchte und Gemüse, die sich gut waschen oder schälen lassen (Tomaten, Salatgurken, Äpfel, Birnen, Pflaumen, Erdbeeren, Kirschen, Beerenobst), können ohne Risiko gegessen werden. Auch Kopfsalat, Weiß- und Rotkohl sowie Blumenkohl sind kein Problem. Ebenfalls ohne Bedenken kann man Wurzel- und Knollengemüse (Möhren, Radieschen oder Kartoffeln) aus Eigenanbau auf den Tisch bringen. Umstellung der Produktion bei M+S Silicon.

Bis zum vierten Quartal 2020 soll die Umstellung nahezu vollständig abgeschlossen sein. Dies ist das Ziel des Unternehmens und auch das Interesse der Stadt. Zudem wird bereits ab Montag eine neue Filteranlage installiert. Dieser sogenannte Elektrofilter soll einen Großteil des PCB zurückhalten.

Die Stadt Dortmund wird zum Thema PCB in Körne umfangreiche Informationen auf ihrer Homepage zusammenstellen. Unter der leicht auffindbaren Kurz-Adresse „pcb-koerne.dortmund.de“ wird in der kommenden Woche auch eine Liste mit häufigen Fragen und Antworten zu finden sein, die kontinuierlich aktualisiert und ergänzt werden kann.

PCB-Bürgertelefone beim Gesundheitsamt  (50 2 35 43 oder 50 2 35 93) und beim Umweltamt (50 2 26 03) bieten Antworten auf aufkommende Fragen zusätzlich in der Form des persönlichen Gesprächs an.

Außerdem ist ein Info-Flyer erstellt worden, der unter den Kleingärtner*innen, den Grabeland-Pächter*innen und Hausgarten-Besitzer*innen verteilt wird und ebenfalls über die Homepage als Datei zum Download zur Verfügung steht. Dieser Flyer informiert zunächst auf Deutsch, liegt aber bald auch in türkischer Sprache vor, denn auf vielen Parzellen bauen auch türkische Mitbürger*innen ihr Gemüse und Obst an.

Sobald neue Erkenntnisse und Untersuchungsergebnisse vorliegen, wird die Öffentlichkeit von der Stadt Dortmund über die verschiedenen Wege informiert.

Verzehr-Empfehlung und Geltungsbereich zum Download:

_Info-Flyer PCB Körne.pdf

_Geltungsbereich_Luftbild.pdf