„Indian Summer“ in Dortmund

Exkursion der Fachberatung des Stadtverbandes Dortmunder Gartenvereine e.V. führte am 12. Oktober 2018 durch den Rombergpark – Parkleiter Dr. Patrick Knopf vermittelte eine Fülle von Informationen

Bei strahlendem Oktoberwetter haben wir am 12. Oktober 2018 den botanischen Garten Rombergpark besucht. Ihr Leiter Dr. Patrik Knopf nahm uns in Empfang und berichtete uns, dass der Name Romberg der Name eines alten Adelsgeschlechts ist, das seinen ursprünglichen Sitz auf der Burg Rodenberg bei Menden hatte. Das Geschlecht erschien 1249 urkundlich das erste Mal. 1483 fiel Schloss Brünninghausen an die Familie Romberg, die dieses vor dem 1. Weltkrieg an die Stadt Dortmund verkaufte.

Neben dem eigentlichen Schloss gehörten zahlreiche Kotten und Höfe in Barop, Hacheney, Wellinghofen, Kleinholthausen und Lücklemberg zum Besitz der Familie. Auch umfangreicher Waldbesitz an den Hängen des Ardeygebirges gehörte zu Schloss Brünninghausen. Eine wichtige Geldquelle waren die Mühlen an der Emscher und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Abbau der oberflächennahen Kohleflöze und der spätere Stollen- und Tiefbau. Die Rombergs waren Patronatsherren der Kirche in Wellinghofen, in der man das Familienwappen sehen kann. Gisberg von Romberg war während der französischen Herrschaft Präfekt des Ruhrgebietsdepartements. Von den alten Schlossanlagen sind nur noch wenige Grundmauern erhalten sowie Stallungen und das sehr schöne Torhaus, in dem regelmäßig Ausstellungen stattfinden.

In den Jahren 1820 bis 1822 wurde im Auftrag der Familie Romberg auf deren Ländereien, weil es derzeit gerade Mode war, ein Landschaftsgarten nach englischem Vorbild angelegt. 100 Jahre später kaufte die Stadt Dortmund den Park und legte dort in den darauffolgenden Jahren den Botanischen Garten an.

Heute ist der Park 65 ha groß und weist viele seltene botanische Besonderheiten und Pflanzen aus aller Welt auf. Er zählt europaweit zu den größten botanischen Waldgärten, die auch Arboretum genannt werden. Viele seiner alten Bäume stehen unter Naturdenkmalschutz.

Nach diesem historisch geprägten Intro ging es dann buchstäblich „ab in die Botanik“: Dr. Patrick Knopf nahm uns mit auf eine rund zwei Stunden währende Reise, die besonders durch einige Waldgebiete führte, wie sie in anderen Kontinenten unserer Erde vorkommen.

Doch zunächst lagen schon einige botanische Schätze am Wegesrand. Wie ein stattlicher Ginko biloba „tremonia“, nicht weit davon entfernt ebenfalls am nördlichen Eingangsbereich mächtige Platanen, die laut Dr. Knopf noch vor der eigentlichen Schaffung des Englischen Landschaftsgartens im Rombergpark 1805 gepflanzt wurden und demnach schon 213 Jahre alt sind. Schon bald blickten wir auf den Sumpfteich im östlichen Teil, malerisch umsäumt vor allem von Sumpfzypressen, aber auch andere Baumarten wie über 200 Jahre alte Buchen flankieren ihn. Nicht nur wir, sondern auch viele Wasservögel wie Enten, Nil - oder Kanadagänse genossen bei unserem Besuch die strahlende Oktobersonne, Sumpfschildkröten, die hier ausgesetzt wurden, lagen auf umgestürzten Baumstämmen und nahmen ein Sonnenbad.

Weiter ging es in Waldbereiche, wie sie besonders in Nordamerika oder Asien vorkommen, in die so genannten pflanzengeographischen Abteilungen. Die bunte Herbstfärbung, von der Sonne noch bekräftigt, verschaffte uns den Eindruck und die Illusion: so muss es zum Beispiel in Kanada im „Indian Summer“ aussehen, bei der ja besonders die Rotfärbung der Blätter zusammen mit anderen Farben eine wunderbare farbige Silhouette erzeugt. Ein beeindruckender Hauch von „Indian Summer“ mitten in Dortmund!

In diesen Waldbereichen stießen wir auf weitere botanische Raritäten, die Dr. Patrick Knopf uns präsentierte, immer garniert mit Informationen über ihre Herkunft und botanischen Merkmale. Auch die eine oder andere Anekdote schmückten Dr. Knopfs Erzählungen, der uns auch auf eingebettete Spielmöglichkeiten für Kinder mitten im Wald hinwies. Auf alle aufgezeigten Gehölze und Bäume hier einzeln einzugehen, würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Zu groß ist ihre Fülle, rund 4.500 Pflanzenarten sind es im Park. Insgesamt sind es laut Angaben der Parkleitung etwa 50.000 Gehölze auf einer Fläche von 1.400 Fußballfeldern.

Erwähnt seien hier aber noch der unscheinbar am Wegesrand liegende 60 Millionen Jahre alte versteinerte Baumstumpf, die attraktiven Taschentuchbäume aus China, eine herrliche Blutbuche nahe des Nordeinganges und wohl der „Star“ im Rombergpark, obwohl optisch nicht so hervorstechend, eine Scheibennuss. Sie kommt in Europa extrem selten vor, ist eine kleine Walnussart. Jährlich versendet die Rombergparkleitung ihre Samen in botanische Gärten aller Herren Länder, damit diese seltene Baumart vermehrt und erhalten bleiben kann.

Wieder aufgetaucht aus den Wäldern, die uns letztlich noch seltene Nadelbäume präsentierten, machten wir auf dem Weg zum Ziel- und Ausgangspunkt noch einmal Halt, um den „Roten Bach“ zu bestaunen. Die rostrote Färbung des Bachbettes bis hin zu einem rostigen Geruch ist eine besondere Attraktion im Rombergpark. Dieser Effekt entsteht durch eisenhaltige Zuflüsse des Schondellebaches, der durch den Park und rings um den großen Teich im Norden plätschert. Das Wasser ist konstant 13 bis 15 Grad warm. Sind es im östlichen Teilbereich eisenockerhaltige natürliche Quellen, welche die Rostfärbung erzeugen, so sorgt aus den westlichen Bereichen ebenfalls eisenockerhaltiges Grubenwasser aus der ehemaligen Zeche Glückaufsegen dafür. Und der Eisenocker bewirkt ganz einfach, dass das Bachbett „rostet“.

Am Ende der Exkursion schwirrten die Köpfe der Teilnehmer ob der Fülle vermittelter Informationen, gehörter Anekdoten und prächtiger optischer Eindrücke. Es bedarf einfach weiterer Besuche und Führungen, um den Rombergpark in seiner Gänze kennenzulernen. Bei unserem Besuch haben wir ja zum Beispiel die Pflanzenschauhäuser und weitere Attraktionen im Park ganz außer Acht gelassen, dies hätte den Zeitrahmen gesprengt. Einig waren wir uns am Ende unseres diesmal absolvierten Spazierganges: „Wir kommen bald einmal wieder und werden damit nicht bis 2022 warten, wenn der Rombergpark 200 Jahre alt wird“.

Nach diesem Versprechen dankten wir letztlich beim Abschied Dr. Patrick Knopf für seine besonders informative und beeindruckende Führung.


Hanne Blomberg-Winden / Michael Schöneich