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20.07.2019

Heilbronn 2019

Schulungsfahrt des Stadtverbands Dortmunder Gartenvereine zur Buga 2019 in Heilbronn

Die Sonne meinte es gut mit uns, als wir am 20. Juli das Gelände der Buga Heilbronn betraten. Auf Rat unserer Führerin besorgten sich deshalb einige die feilgebotenen Sonnenhüte und los ging es. Als erstes erhielten wir am großen Plan einen Überblick über das Gelände und die einzelnen Sehenswürdigkeiten. Die Buga wurde auf einer ehemaligen Industriebrache am Ufer des Neckars aus der Taufe gehoben und geht mit einer erstmaligen Kombination aus Garten- und Stadtausstellung neue Wege. Das schön gestaltete Gelände wird ergänzt durch innovative urbane Architektur, die nach Ende der Ausstellung noch erweitert werden soll. Erinnert ein bisschen an den Phönixsee. Viele Pavillions sind sowohl durch ihre Architektur als auch die darin stattfindende Präsentationen einen Besuch wert. Dafür waren umfangreiche bauliche Maßnahmen erforderlich: Eine Straße wurde verlegt, das Ufer des Neckars freigelegt und mit naturnahen Uferzonen und Überschwemmungsflächen ergänzt. Eine begehbare Wasserkaskade und viele Flachuferzonen laden zur Erfrischung ein und werden ebenso wie die Wasserspielplätze von zahlreichen Kindern begeistert angenommen. Der Aushub der Überschwemmungsflächen wurde genutzt um eine abwechslungsreiche Hügellandschaft zu gestalten, auf der sich sehr unterschiedliche, ästhetische Blumeninseln abwechseln. Man findet zahlreiche Natur- und Themengärten. Die Blumenarrangements aus einjährigen Sommerblumen und Stauden wirken durch die Einbeziehung von Gräsern und teilweise auch Gemüsepflanzen luftig und schön. Oft hat man auf Farbfamilien,  aber auch starke Kontraste bei der Gestaltung gesetzt. Einige sind in rot, andere in Gelb- oder Blautönen gehalten. Fackel- und Taglilien bilden leuchtende Farbtupfer. Korrespondierend dazu wird die Farbgestaltung durch passende Sonnenschirme und Holzhütten ergänzt. Insgesamt erlebt man eine große Vielfalt an Blühpflanzen für die unterschiedlichsten Standorte.

Der Klimawandel und das Insektensterben haben auch die Planer der Buga umgetrieben und so liegt der Schwerpunkt dieser Gartenausstellung auf naturnaher Gestaltung und Erhaltung der Natur. Eine Möglichkeit bietet hier das Black Box Gardening. Wie unsere Führerin berichtet, hat man sich vorgestellt, dass Blumensamen aus aller Welt in großen Holzkisten bei einem Sturm von einem Schiff gespült werden und sich das Saatgut über das Ufer ergießt. Die Pflanzen, die sich an den Standort am besten anpassen, überleben und bilden neue Pflanzengemeinschaften. Passend zu dieser Geschichte hat man verschiedene Samenmischungen in großen schwarz geflammten Holzkisten ausgesät. „Das Black Box Gardening setzt auf selbst versamende Pflanzen, die sich eigenständig ausbreiten und einen passenden Standort suchen. Das spätere Erscheinungsbild des Gartens ist eine Überraschung. Gestaltet wird durch Reduktion. Ein Teil der Pflanzen darf den gesamten Lebenszyklus von der Keimung bis hin zum Samenstand durchlaufen.“ Die Pflanzen, die besonders geeignet sind, um Insekten Nahrung und Unterschlupf zu bieten, waren in den Kästen teilweise schon vertrocknet. Das ist in diesem Fall aber gewollt, denn sie sollen sich ja wieder aus samen. In diesem Bereich der Buga gibt es auch wichtige Tipps, wie man für Insekten Brut- und Nistmöglichkeiten schaffen kann. Dass Insektenhotels auch ästhetisch sein können, zeigen die beiliegenden Fotos. Wichtig als Lebensraum sind auch lockere Natursteinmauern, Benjeshecken, Wasserstellen und Sandflächen, um den Bedürfnissen der Insekten gerecht zu werden. Teppichkamille und Teppichthymian kann als Rasenersatz verwendet werden. Die etwa 2 m hohe Kardendistel fängt in ihren Blattachseln Wasser auf und kann so als Insektentränke dienen.

Eine zentrale Rolle in der Buga nimmt der Neckarbogen ein. An ihm entlang ist das ganze Gelände gestaltet worden. Dabei ist die Wiederbelebung der alten Hafenanlage gewollt. Man kann am Ufer entlang schlendern und viel Natur entdecken. Enten, Schwäne und Fischreiher verstecken sich zwischen blühenden Uferzonen und Schilfgürteln. Eine Bisamratte mit stattlichen Ausmaßen äst alles andere als scheu auf einer Wiese. Hier gibt es auch noch alten Baumbestand mit Trauerweiden, die uns Schatten bieten. Ein Hingucker ist die reich mit Blumenkästen geschmückte Brücke. Abwechslungsreich zusammengestellte Balkonpflanzen verwandeln diese in ein Blütenmeer. Nach der Überquerung gelangt man zu einer Schiffsanlegestelle, kann mit der „Willi Schneider“ eine Rundfahrt machen und das Gelände nochmal von der Wasserseite erleben.

Natürlich kann man bei einem Besuch der Gartenausstellung nicht alles erleben, insbesondere nicht das umfangreiche Kulturprogramm und die einmal wöchentlich stattfindenden Wasserspiele. Ein weiterer Besuch lohnt sich deshalb.

Am nächsten Tag statteten wir der Gartenanlage „Sontheimer Landwehr“ einen Besuch ab. Der seit 50 Jahren bestehende Verein hat 261 Pächter, die Größe der Anlage beträgt 905 Ar. Leider konnten wir von den Gärten selbst nicht besonders viel sehen, weil diese von hohen Hecken umschlossen waren. Auch die unterschiedlich gestalteten Gartentore verwehrten oft den Einblick. Der Garten der Jugendgruppe, die sich nach 4 Jahren ihres Bestehens auflöste, wird derzeit von der Garten AG der Wilhelm-Hauff-Schule bewirtschaftet und gepflegt. Wie der 1. Vorsitzende, Andreas Funk, uns berichtete, war im letzten Jahr eine Laube abgebrannt. Das war besonders dramatisch, weil sie nicht versichert war. Der Vorstand erwies sich als sehr gastfreundlich und wir wurden mit gegrilltem Fleisch und Kaffee und Kuchen verwöhnt.

Nach diesen zahlreichen Eindrücken traten wir die Rückfahrt nach Dortmund an. Ich freue mich schon darauf einige Ideen in meinem Garten bzw. unserer Gartenanlage umsetzen zu können.

Fotos u. Text: Bea Wild

Weiterführende Literatur zu Blackbox Gardening:

Jonas Reif, Christian Kress, Jürgen Becker, Blackbox Gardening

Mit Versamen Pflanzen Gärten gestalten, Ulmer Verlag