DortmundFachberatungArchiv

Archiv

Praktischer Obstbaumschnitt der Fachberatung am 16. März 2019

Die Fachberatung im Stadtverband Dortmunder Gartenvereine lud zu seiner jährlichen Lehrveranstaltung "Praktischer Obstbaumschnitt" am Samstag, den 16. März 2019 in 4 verschiedenen Gartenanlagen ein, an der jeweils zwischen 25 und 42 interessierte Gartenfreunde teilnahmen.

10:00 Uhr, Gartenverein "Im Weidkamp", Werzenkamp 60, DO-Scharnhorst, Referent Jochen Helle
10:00 Uhr, Gartenverein "Glück Auf", Am Hartweg 119, DO-Dorstfeld, Referent Frank Gerber
14:00 Uhr, Gartenverein "Südstern", Am Segen 11, DO-Brünninghausen, Referent Jochen Helle

14:00 Uhr, Gartenverein "Am Externberg“, Lothringer Str. 9, DO-Eving, Referent Frank Gerber

Hierbei wurde den Mitgliedern der Gartenvereine und anderen Interessenten die Gelegenheit geboten, sich mit der Praxis im Obstbaumschnitt vertraut zu machen. Dabei wurde praxisnah demonstriert, wie ein Pflanz-, Erziehungs- oder Überwachungsschnitt durchgeführt wird. Auch wurden Tipps zur richtigen Pflanzung, Standortwahl und Sortenwahl sowie zur Auswahl der passenden Obstunterlagen vermittelt. Die Schnittdemonstration führten der Mitarbeiter des Stadtverbandes Dortmunder Gartenvereine Dipl.-Ing. Frank Gerber und der Obstgehölzpfleger Jochen Helle aus.


 

Fachberatung Stadtverband: Baumschnittkurs in Theorie und Praxis (Februar 2019)

Unser Referent, der Obstgehölzpfleger Jochen Helle, leitet die Arbeitsgruppe Streuobstwiesen des BUND und pflegt 3 städtische Wiesen und die Obstbäume in Derne und Kirchderne sowie eine weitere Wiese mit 100 Apfelbäumen am Rande des Rombergparks.
Der Baumschnittkurs, an dem 25 Gartenfreunde teilnehmen konnten, war vorwiegend für Gartenfachberater gedacht, die als Multiplikatoren die neu gewonnenen Erkenntnisse in ihren Gartenvereinen weitergeben sollen

  • Ableiten: hier wird eine (steile) Triebspitze direkt über einem (flachen) Seitentrieb abgeschnitten. Mit diesem Schnitt erreicht man auch, dass mehr Licht ins Innere gelangt. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Saftdruck beim Ableiten nicht erhöht wird, weil der neue Ast diesen aufnehmen kann. Flache Zweige bilden auch mehr Fruchtholz als steile Zweige, die überwiegend Blätter bilden.
  • Anschneiden: hier wird ein Zweig oberhalb eines Auges eingekürzt. Der entstehende Seitentrieb wird in diese Richtung wachsen. Der Schnitt sollte leicht schräg erfolgen.

Einen schwachwüchsigen Apfelbaum für den Schrebergarten sollte man in einer Baumschule und nicht beim Baumarkt oder Diskounter kaufen. In der Baumschule erhalten Sie die notwendige Beratung über Größe, Form, Sorte und vieles mehr.

Der ersten Schnitt, den so genannten Pflanzschnitt, erhält ein Apfelbaum vom Fachmann oder von der Fachfrau direkt nach dem Kauf. Hier werden die schwachen Triebe oder Konkurrenzzweige entfernt und die Baumspitze sowie die 3 (bis 6) späteren Leitäste ein wenig eingekürzt. Mit dem Pflanzschnitt wird die zukünftige Form festgelegt. Zu steile Leitäste können vorsichtig mit einem Kokosstrick oder speziellem, selbstauflösendem Schlauchband heruntergebunden werden.

Beim Erziehungsschnitt, der ungefähr in den ersten 3 Jahren durchgeführt wird, werden die nach innen wachsenden Steiltriebe am Astring entfernt und die Leitäste und die Stammmitte um ca. ein Drittel gekürzt. Diese Schnitte fördern Dickerwerdung, Vitalität und Stabilität. Ziel ist eine weiter wachsende Spitze, eine schön ausgeformte Krone, eine kräftige Holz- und Fruchtbildung.

Ausgewachsene Apfelbäume müssen regelmäßig, am besten einmal im Februar/März und einmal im Juli geschnitten werden, damit sie eine luftige Krone erhalten und auch die Äpfel ausreichend Sonne abbekommen. Beim Erhaltungsschnitt werden kranke und nach innen wachsende Äste ganz abgeschnitten. Stark verzweigte Astpartien und alle senkrechten Wasserschosse werden mit möglichst wenig Schnitten so abgeschnitten, dass die abgeschnitten Äste wie ein Geweih aussehen. Wenige Schnitte sind deswegen wichtig, weil jeder Schnitt zu weiterem Austrieb führt. Das Entfernen von älteren Zweigen mit altem Fruchtholz sorgt für eine Verjüngung und führt zu besseren und größeren Früchten. Länger nicht geschnittene Obstbäume müssen mit einem Verjüngungsschnitt wieder in Form gebracht werden, indem die Krone kräftig ausgelichtet wird und überalterte Fruchtäste entfernt werden. Auch hier muss darauf geachtet werden, möglichst wenig Schnitte auszuführen, damit nicht so viele Wasserschosse nachwachsen.
So geschnittene Bäume sind auch widerstandsfähiger gegen Schädlinge und Pilzkrankheiten, wenn der Wind durch sie fegen kann.
Tipps:

  • Im Winter abgeschnittene Wasserschosse (senkrechte Langtriebe) wachsen nach jedem Schnitt stark nach. Besser ist es daher, die nachwachsenden, noch schwachen Triebe im Sommer auszureißen (Juniriss). Die Wunden heilen in der Regel gut aus und es bilden sich - im Gegensatz zum Schnitt - keine neuen Wasserschosse, da der Astring mit entfernt wird.
  • Kein Baum sollte im Rasen stehen, hier herrscht sonst ein starker Konkurrenzdruck in der Versorgung. Jeder Baum sollte deshalb eine Baumscheibe haben.
  • Im Herbst und beim Austrieb (sowie bei strengem Frost = kälter als minus 10 Grad) sollten Obstbäume nicht geschnitten werden.
  • Gegen den Apfelwickler hilft im Juli Wellpappe um den Baum zu binden. Diese sollte alle 2 Woche gewechselt oder leer geklopft werden.

Der Kurs war sehr interessant und informativ.


Fachberatung Stadtverband: Nisthilfen (Januar 2019)  

Bevor unser Referent Heribert Werner vom Stadtverband Dortmunder Gartenvereine auf Nisthilfen für Insekten einging, zählte er einige Eckdaten der am häufigsten vorkommenden Tiere dieser Welt auf: Zwei Drittel aller Tiere sind Insekten, sie leben bereits seit 370 Millionen Jahre und man kennt über 1 Million Arten. Zu den bekanntesten Insekten gehören Bienen, Wespen, Schmetterlinge, Käfer, Libellen, Fliegen, Mücken, Flöhe und Läuse. Spinnen, Asseln, Würmer, Zecken, Milben und Ohrwürmer sind dagegen keine Insekten.
Wir benötigen Insekten zum Bestäuben vieler Pflanzen. Insekten dienen vielen Tiere als Nahrung und sind für das gesamte Ökosystem notwendig.

Wir können Insekten durch vielfältige ökologische Maßnahmen helfen: durch Anlegen von Wildblumenwiesen, Erhalt von Bäumen, Vogelschutzgehölzen, Disteln, Brennnesseln und Brachflächen, Verzicht auf Spritzmittel, Anlegen von Totholzhaufen, Natursteinmauern und Nisthilfen. Wir helfen Insekten aber auch, indem im Spätherbst und Winter verblühte Sträucher nicht abgeschnitten werden, sondern für Insekten und Vögel stehen bleiben.

Beim Bau der Nisthilfen kann man aber auch vieles falsch machen: ungeeigneter Standort, ungeeignetes Bau- und Füllmaterial, falsche Lochdurchmesser und Lochtiefe, zu frisches Holz, ausgefranzte Löcher, giftiges Material und Holzschutzmittel.

Ein guter Standort sollte sonnig, trocken und windgeschützt sein, die Behausung sollte nach Süd bis Südost ausgerichtet sein, fest und nicht bodennah angebracht werden. Die Nisthilfe braucht ein Dach, am besten aus Reet oder Stroh, zum Schutz vor Regen. Die Einflugschneise sollte immer frei bleiben. Ein feinmaschiger (mit 3 cm Maschenweite) Hasendraht oder ein Kunststoffnetz an der Vorder- und Rückseite mit einem Abstand von 7 bis 10 Zentimeter schützt vor Feinden.

Das benutzte, entrindete Hartholz sollte gut durchgetrocknet (mindestens 2 Jahre) sein und sollte keine tiefen Risse aufweisen. Geeignete Holzarten sind z. B. Esche, Hainbuche, Eiche, Platane, Apfelbaum, Walnuss, Birne, Weißdorn oder Feldahorn. Die Holzscheiben sollten 20 bis 30 cm tief sein. Die gebohrten Löcher sollten mit einem Durchmesser zwischen 3 und 10 Millimeter (überwiegend 6 mm) in das Längsholz (nicht in das Stirnholz) gebohrt werden. Die Bohrgänge dürfen nicht zu dicht (größer 1 bis 2 cm) gesetzt werden, da das Holz sonst zu leicht reißt. Die Bohrtiefen entsprechen der jeweiligen Bohrerlänge. Das Holz darf dabei aber nicht durchbohrt werden, es muss also tief genug sein. Die Holzfasern sollten danach gut abgeschliffen werden.

Als Füllmaterial kann unbehandeltes Bambusrohr oder Schilf aus Deutschland verwendet werden. Materialien aus Fernost sind häufig mit Pestiziden behandelt.

Kunststoffröhrchen sind nicht atmungsaktiv, da sich hier leicht Schwitzwasser ansammelt und es zu Fäulnis und Pilzbefall kommt. Pappröhrchen sind dagegen geeignet, da sie atmungsaktiv und günstig in der Anschaffung sind.

Ytong-Steine, Porenbeton und Gasbeton sind für den Einsatz in Nisthilfen völlig ungeeignet. Auch hier entsteht sehr leicht Schimmel und Pilze aufgrund von Wasseransammlung. Ebenfalls ungeeignet ist Metall, Kunststoff oder Dachpappe.

Benutzter Lehm darf nicht zu hart sein, da Bienen hier nicht selber graben können.

Nisthilfen sollten viele Jahre ungestört am selben Ort belassen werden.