2020

 


6 / 2020

Der Garten im Hitzesommer

Man braucht keine Klimadaten, um im Garten Folgendes zu beobachten: galt der Lavendel in den 80-er Jahren des letzten Jahrhunderts noch als heikel bezüglich seiner Winterhärte, so lassen sich heute Schopflavendel, Rosmarin, Feigen, Palmen, ja auch Oliven und Oleander fast problemlos nur ein wenig geschützt im Freiland oder Kübel überwintern. Die Winterhärte von Lavendel ist kein Thema mehr. Der Traum vom mediterranen Garten scheint in unseren nördlichen Gefilden wahr zu werden, sind diese Pflanzen an sommerliche Hitze gut angepasst.

Auch einige Sommerblumen wie Geranien, Europs und Osterosperma, die früher zuverlässig erfroren und so dem Gärtner im Frühjahr eine zuverlässige Einnahmequelle waren, überwintern zunehmend, sofern man nicht zur Weihnachtszeit etwas anderes als Sommerblumen im Wintermodus in seinem Pflanzgefäß sehen wollte.

Das heißt, die Pflanzenauswahl im Garten ist trotz Hitzesommer riesengroß, auch wenn man sich nicht in der Sicherheit wiegen sollte, dass es nie mehr kalte Winter bei uns geben wird. Nur 2 starke Spätfrostnächte im Mai dieses Jahres, die bis zu minus 6° C erreichten, genügten, um Frostschäden an Rosen, Kirschlorbeer und Kamelien zu hinterlassen.

Wer im Sommerurlaub in Spanien oder Italien sich jenseits der bewässerten Hotelanlage begeben hat, dem wird aufgefallen sein, dass im Sommer im mediterranen Raum praktisch alles, was staudenartig wächst, vertrocknet ist. Das ist die Kehrseite der Erwärmung: der Sommer wird heißer und trockener. Auch bei uns konnte man im letzten Jahr feststellen: wer seinen Rasen nicht bewässert hat, der hatte spätestens im Juli/August nur noch eine braune Fläche. Trost gibt es: selbst der nicht bewässerte Rasen war am Ende des Jahres wieder frisch grün. Der Rasen überdauerte im Boden in der Wurzel und hat auf besseres Wetter gewartet, um im Herbst wieder vollständig zu ergrünen.

So machen es auch die Frühsommerblüher: sie nutzen die winterliche Restfeuchte im Boden für Wachstum und Blüte (orientalischer Mohn, frühe Margeriten, Pfingstrosen). Nach der Blüte ist ihnen das Wetter egal, oder, wenn das Wetter gut verläuft, es also genügend Wasser und Dünger gibt, erfreuen uns Rittersporn, Steppensalbei und Glockenblumen nach einer Ruhephase mit einer zweiten Blüte im Spätsommer. Bei den frühjahrs- und frühsommerblühenden Stauden ist Wachstum und Blüte auch in Hitzesommern zuverlässig.

Danach wird’s kritisch: Sommerhitze und Wassermangel.

Ab 30° C leiden viele Pflanzen. Bambusblätter rollen sich ein, Herbstanemonen welken. Eine Weile halten sie die Hitze durch, irgendwann ist der Welkezeitpunkt überschritten und keine noch so große Wassergabe kann die Pflanze wieder zum Leben erwecken. Selbst bei ausreichender Wassergabe welken die Blüten der klassischen Bauernhortensie, die Blätter bekommen Verbrennungsschäden. Im lateinischen Name der Bauernhortensie, Hydrangea, versteckt sich das griechische Wort für Wasser. Die Bauernhortensie ist nicht in der Lage, dass Wasser so schnell in die Blüte zu transportieren, wie sie Wasser durch Verdunstung abgeben muss. Denken Sie bei Hydrangea immer an den Wasserhydranten! Auch Rosenblüten leiden, gerade solche mit weichen Blütenblättern: morgens erfreut man sich an der aufgehenden Knospe, mittags ist sie schon verblüht und mit der Nachblühte tun sich alle Rosen bei Hitze schwer. Sie sehnen sich nach einem klassischen deutschen, kühlen Regensommer.

Und wenn kein Regen kommt? Ein Besuch des Gartendesigners Piet Oudlof im Humelo in den Niederlanden im August 2018 zeigte völlig vertrocknete Staudenbeete mit einem eigentümlichen melancholischen Charme, den man eigentlich erst im Herbst verspüren möchte. Auf einer Führung in der von ihm entwickelten Staudenanlage im Maximilianpark in Hamm sagte er einmal, dass für ihn die Form und Textur der Pflanze wichtiger sei, als die Farbe. Die für einen Gartendesigner zunächst befremdliche Aussage bekommt im Vertrocknungsprozess der Staudenbeete tatsächlich eine bedeutsame Rolle. Vertrocknete Gräser und Blüten können eine ganz eigene Ästhetik vermitteln.

 

Es hilft aber auch ein Blick auf die Pflanze, um ein trockenheitsverträgliches Sortiment für den Garten auszuwählen: Pflanzen wie Sedum, Sempervivum und auch die Koniferen haben sich dicke Blätter mit einem Wachsüberzug zugelegt, womit die Verdunstung eingeschränkt werden soll. Nadelförmige Blätter von Tanne, Dill und Fenchel verraten, dass hier Wasser gespart werden soll. Hilft nicht immer: die vertrockneten Fichtenbestände, die nicht nur im Sauerland zu sehen sind, zeigen, dass Wachsüberzug und Verkleinerung der Blätter nichts nützt, wenn die Herkunft der Pflanze eine andere Genetik bestimmt hat.

Die kleinen Nadeln der Fichte waren gedacht als Energiesparmodus im Winter und auf kargen Böden. Dieser Modus hilft auch in trockenen Sommern, aber, wie man an den trockenen Fichtenbeständen sieht, nicht endlos. Auch Nadelbäume brauchen Wasser. Sie wurzeln dann bis in die tieferen Bodenschichten und holen sich von dort das Wasser. Der Fichte als Flachwurzler ist das leider nicht möglich.

Neben kleinen Blättern mit Wachsüberzug haben Pflanzen weitere Sonnenschutz -Techniken etabliert: Graulaubigkeit, wie bei Lavendel, reflektiert die Sonnenstrahlen. Auch feine Härchen bzw. ein filziger Belag auf den Blättern, wie bei vielen Rhododendronknospen sehen auf dem ersten Blick wie Pilzbefall aus, sind aber ein effektiver Sonnenschutz. Nebenbei filtern die Härchen wie z. B. bei der Königskerze kleinste Feuchtigkeitspartikel aus der Luft und tragen so zur Wasserversorgung der Pflanze bei.

Auch rotlaubige Pflanzen sind in der Regel sonnenverträglich, sind gerade die roten Farbpartikel in der Pflanze ein Sonnenschutz. Der rötliche Austrieb bei verschiedenen Rosensorten oder Glanzmispel schützt den jungen Austrieb vor zu starker Sonneneinstrahlung. Später, bei zunehmender Ausreife der Triebe vergrünen diese. Rote Heuchera Sorten, rote Salatsorten, rotlaubiger Perückenstrauch, Blutbuche behalten ihre rote Farbe den ganzen Sommer durch und gedeihen gut in sonnenverwöhnten Gartenecken. Zu schattig gepflanzt würden sie ihren Sonnenschutz aufgeben und vergrünen. Aber leider keine Regel ohne Ausnahme: Der rotlaubige, japanische Schlitzahorn will hell stehen, benötigt aber eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit, sonst werden die Blattränder braun. Aber auch hier gibt es Sortenunterschiede. Die Sorte „Bloodgood“ hat dickere, festere Blätter und ist somit besser gegen Trockenheit gerüstet.

Auch der heißeste Sommer geht irgendwann zu Ende. Einige Stauden scheinen darauf zu warten, dass die Tage endlich merkbar kürzer werden, die Temperatur insgesamt fällt, es tatsächlich wieder anfängt zu regnen, oder alle 3 Faktoren zusammen kommen.

Die Rosen erholen sich, wenn es kühler geworden ist, prächtig und blühen besser als im heißen Sommer. Gräser wie Chinaschilf stagnieren bei Hitze, um bei besserer Gelegenheit wieder weiter zu wachsen. Blütenstauden wie Raublattaster halten den Hitzesommer durch (raue Blätter = Verdunstungsschutz!), um ab August - September mit einem wahren Farbfeuerwerk die vertrockneten Sommerstauden vergessen zu machen. Auch kleinere Stauden wie die grasartige Liriope oder späte Funkien (Hosta tarda) und nicht zu vergessen die spätblühende Saxifraga fortuneii lassen auch an warmen Oktobertagen Sommerfeeling aufkommen.

Letztlich sind es nur 3 Monate, in denen das Wasser im Garten fehlen könnte. Sind alle Optionen der Pflanzenauswahl ausgenutzt: „kleine, rote oder graue Blätter mit Wachsüberzug“ und mag man sich nicht abfinden mit der Ästhetik des vertrockneten Staudengartens, muss Wasser her oder wenigstens Kühle oder am besten beides.

Das Zauberwort heißt Verdunstung und Verdunstungskälte. Wenn theoretisch in einer Steinwüste kein Wasser vorhanden ist, so kann auch nichts verdunsten und auch am Morgen wird kein Tautropfen, also kondensiertes Wasser zu finden sein. Wasser wird in der Erde und in Pflanzen gespeichert. Ist die Lufttemperatur wärmer als die Wassertemperatur, dann verdunstet Wasser – es entsteht die sogenannte Verdunstungskälte. Dieses Phänomen macht uns den Aufenthalt im Wald und an der See bei großer Hitze erträglicher.

Schon bei der Anlage des Gartens nimmt man Einfluss auf dessen Kleinklima. So sind unversiegelte Flächen von Vorteil, in denen das Wasser versickern und bei Wärme wieder aufsteigen und verdunsten kann. Der Laubbaum ist ein toller, saisonaler Schattenspender: lässt er im Winter Licht und Wärme durch, im Sommer bietet er Schatten. In den letzten Jahren waren große Bäumer eher unerwünscht – zu viel Laub im Herbst und zu viel Schatten im deutschen Regensommer und dann noch das Umfallrisiko bei starken Stürmen.

Im Hitzesommer könnte man sich den großen, alten Baum zurückwünschen, ist der Aufenthalt auf der Südterrasse ab mittags praktisch unmöglich geworden. Eine Schattierung muss her. Die Schattierung durch einen Baum bringt uns zwei Vorteile: zum einen die Luftdurchlässigkeit des Blätterdachs, welches die warme Luft nach oben steigen lässt und so einen Wärmeaustausch zulässt; zum anderen ist es die oben schon erwähnte Verdunstungskälte. Der Baum verdunstet Wasser, dabei entzieht er der Umgebung Wärme, die unmittelbare Umgebung kühlt ab. Der Laubbaum ist ein perfekter Wärmetauscher, welcher den Aufenthalt unter einem Baum bei extremer Hitze so angenehm macht. Unter einer herkömmlichen, dichten Markise, die auch leichten Regen abhalten soll, staut sich die Hitze, Abkühlung bringt sie nur bedingt. Es gibt aber auch Sonnensegel aus dickerem, luftdurchlässigem Gewebe, welches die heiße Luft aufsteigen lässt und so das Blätterdach des Baumes ein wenig imitiert. Dieses Segel ist schon gut, fehlt nur noch die Verdunstungskälte.

Somit kommen wir zum Wasser in seiner flüssigen Form. Wasser kann man nicht nur in der Erde oder in den Pflanzen speichern, nein, Wasser kann man auch sichtbar machen mit Hilfe eines Teichs oder Wasserspiels. Schon die Araber wussten, wie man durch geschickt platzierte Wasserbecken und -läufe die Hitze des Sommers erträglicher machen kann. Badeteich oder Wasserspiel, der Aufenthalt am Wasser in der sommerlichen Hitze wird immer ein angenehmer sein. Stichworte sind hier auch wieder Verdunstungskälte und Luftbewegung, hervorgerufen durch Temperaturunterschiede von Wasser und Luft.

Und wenn das alles nichts nützt: Entsiegelung des Bodens für die Wasserspeicherung, Pflanzen mit kleinen, roten oder grauen Blättern mit Wachsüberzug, Schattenspender Baum mit Wasserteich oder -spiel, Mulchdecke auf den Beeten auslegen ...... dann müssen wir doch notgedrungen irgendwann zum Wasserschlauch greifen.

Wässern tun wir, wie wir können. Macht es doch einen Unterschied, ob unser Stück Grabeland kilometerweit entfernt liegt und wir mit einem 270 Liter Regentonnenvorrat an Wasser auskommen müssen, oder ob wir smarthome-affin sind und nach einem Wettercheck am Heimatort mit einer entsprechenden App vom Urlaubsort aus die Bewässerungsanlage im heimatlichen Garten bedienen können. Wir könnten auch täglich alles ein bisschen gießen, solange bis es regnet. Diese Methode ist aber bei Gärtnern verpönt, da nicht zwingend genügend Wasser bis zur Wurzel vordringen kann. Die Pflanze ist gestresst, die dauernde Benetzung des Laubs könnte Pilzerkrankungen fördern.

Man könnte auch täglich abends nach Feierabend nur die schlappenden Notfälle an der Wurzel gießen, um dann irgendwann tatsächlich den Rasensprenger 2 Stunden am Stück laufen zu lassen. Danach hat man meistens erstmal für ein, zwei Tage Ruhe. Oh je, die Blumentöpfe müssten doch jeden Tag gegossen werden, vielleicht sogar zweimal am Tag, hängt von der Bepflanzung und vom Standort ab.

Die Gießoptionen sind so vielfältig, wie der Wasserbedarf im Garten und wie das Vermögen der Pflanzenfreunde ist.

Und letztendlich sind es ja nur die 3 „schönsten“ Monate im Garten, die es hitzetechnisch zu überbrücken gilt.

 

 

Barbara Rupprecht

Kontakt: rupprecht-junker@t-online.de

Nachdruck, auch in Teilen, nur mit Genehmigung der Autorin

 


3 / 2020

Fachberatung Stadtverband: Praktischer Obstbaumschnitt (7. März 2020)

Erneut lud die Fachberatung im Stadtverband Dortmunder Gartenvereine zu seiner jährlichen Lehrveranstaltung „Praktischer Obstbaumschnitt“ am Samstag, den 07. März 2020 in 4 verschiedenen Gartenanlagen ein, an der jeweils ca. 15 bis 25 Gartenfreunde teilnahmen.

  • 10:00 Uhr, Gartenverein "Lütgendortmund-Nord", Dellwiger Str. 232, 44338 DO-Lütgendortmund, Referent Jochen Helle
  • 10:00 Uhr, Gartenverein "Am Neuen Hain", An der Buschmühle 60, 44139 DO-Mitte, Referent Frank Gerber
  • 14:00 Uhr, Gartenverein "Im Massbruch", Gevelsbergstr. 120, 44287 DO-Schüren, Referent Jochen Helle
  • 14:00 Uhr, Gartenverein "Hohwart“, Geßlerstr. 21, 44141 DO-Wambel, Referent Frank Gerber

Schnittkurs im Gartenverein "Am neuen Hain"

Im theoretischen Teil wurden den Gartenfreunden u. a. der Aufbau eines Obstbaumes, die Pflanzbedingungen, die Schnitt-Arten sowie Schnitt-Techniken ausführlich erläutert. Mit einem regelmäßigen Schnitt wird erwirkt, dass sich ein stabiles Traggerüst bildet, dadurch ein früherer Ertragsbeginn einsetzt, die Fruchtqualität durch bessere Belichtung sich erhöht, die Bäume langlebiger und leistungsfähiger werden und somit Ernteschwankungen gemildert werden. Die Schnittzeit erfolgt in der Vegetationsruhe – ca. November bis März. Ausnahme: Kirschbäume werden im Sommer aufgrund besserer Wundheilung und Wachstumsbremse geschnitten. Mirabellen und Pflaumen sind nicht so schnittbedürftig. Obstbäume, die im Herbst gepflanzt werden, haben eine bessere Anwachsgarantie.

Schnittkurs im Gartenverein "Im Massbruch"

Im praktischen Teil führten der Mitarbeiter des Stadtverbandes Dortmunder Gartenvereine Dipl.-Ing. Frank Gerber und der Obstgehölzpfleger Jochen Helle verschiedene Schnittdemonstationen an Apfelbäumen vor. Auf den Pflanzschnitt, Instandhaltungsschnitt sowie Verjüngungsschnitt wurde noch einmal eingegangen.

Schnittkurs im Gartenverein "Hohwart"

Alles im allen waren es sehr informative Veranstaltungen und das Wetter spielte auch mit. Ein herzliches Dankeschön an die jeweiligen Gartenvereine für ihre Gastfreundlichkeit.

Bericht: Kerstin Michel

 


2 / 2020

Fachberatung Stadtverband: Kartoffeln (Februar 2020)

Sie heißen Belana, Laura, Linda, Sieglinde oder Annabell und sind keine Schwestern, sondern in Deutschland sehr beliebte Kartoffelsorten. Weltweit gibt es über 4.000 verschiedene Sorten, in Deutschland sind 210 Sorten zugelassen, davon verbleiben 150 Sorten Speisekartoffeln, der Rest sind Verarbeitungs- und Stärkesorten wie z. B. für Pommes, Chips oder Stärke für die Industrie.

Es gibt Sorten mit gelb/weißem, violettem bzw. rot/blauem Fleisch und sie können rund, länglich, oval oder auch krumm wie die Bamberger Hörnchen sein. Über diese Vielfalt, den Geschmack, die Kocheigenschaften und die Lagerfähigkeit der Kartoffeln sowie den Anbau von trockenheitsverträglichen Sorten berichtete der Landwirt Julian Freisendorf - unterstützt von Heinrich Scheiper von Scheipers Mühle - auf der Fachberatung.

1. Herkunft der Kartoffel

Die ursprüngliche Herkunft der Kartoffel sind die Anden in Südamerika. Die Verbreitung nach Europa erfolgte im späten 16. Jahrhundert über die spanischen Seefahrer. Der erste Anbau erfolgte zunächst nur als Zierpflanze, da nur die Blätter und Früchte genutzt wurden, die aber wegen ihres Solanin-Gehalts giftig sind. Erst später entdeckte man, dass die Kartoffelknolle sehr nahrhaft ist. In Preußen wurden die Verbreitung und der Anbau der Kartoffel durch Friedrich der Große angetrieben, um die Hungersnöte der Bevölkerung zu lindern. Seitdem hat die Kartoffel maßgeblich zur Ernährungssicherheit der Bevölkerung beigetragen. Erst seit dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts ist der Pro-Kopf-Verbrauch der Kartoffel durch Pasta, Pizza, Burger & Co. merklich gesunken.

2. Kartoffelanbau und Kartoffellagerung

Kartoffeln bevorzugen einen lockeren, nährstoffreichen Boden. Der Boden sollte auch abgetrocknet und warm sein. Daher sollte Kartoffeln nicht zu früh ins Freiland gesetzt werden. Die dauerhafte Temperatur sollte über 8° C betragen. Große Probleme bereiten schwere Böden mit Staunässe. Hier kann Abhilfe geschaffen werden, indem dem Boden Sand beigegeben wird und im Herbst tief umgegraben wird (mit anschließender Frostgare). Auch eine Zugabe von Oscorna Bodenaktivator ist sehr empfehlenswert.

Generell sollten Kartoffeln nur alle 4 Jahre am gleichen Standort angebaut werden (Fruchtwechsel). Beachtet werden muss hierbei, dass Tomaten jedoch unter denselben Krankheiten leiden wie Kartoffeln.

Bei der Düngung ist zu beachten, dass Kartoffeln zwar einen nährstoffreichen Boden bevorzugen, aber empfindlich auf eine Stickstoff-Überdüngung reagieren. Ein Zuviel an Stickstoff erhöht nicht nur die Krankheitsanfälligkeit, sondern wirkt sich auch negativ auf Geschmack und Lagerung der Kartoffel aus. Eine Kalkung ist nicht empfehlenswert, da Kartoffeln einen leicht sauren Boden (ph-Wert um 6,2) bevorzugen. Kalimagnesia fördert dagegen die Gesundheit, Lagerfähigkeit und Geschmack der Kartoffel. Empfehlenswert ist auch eine Gründüngung (vermischt mit Ölrettich), die im Winter vergeht und im Frühjahr eingearbeitet wird.

Früher wurden in der Landwirtschaft Kartoffeln gesetzt, indem mit einer Hacke eine Setzfurche gezogen wurde; die Kartoffeln wurden per Hand gelegt; anschließend wurde die Setzfurche mit der Hacke wieder angehäufelt. So wird heutzutage noch im Schrebergarten verfahren. Die Arbeit mit Traktoren erleichterte die Arbeit enorm. In der heutigen Landwirtschaft erfolgen das Ziehen der Furche, das Setzen der Kartoffeln, das Schließen der Furche sowie die Zugabe von Beizmitteln gegen Krankheiten in einem Arbeitsgang.

Der Abstand zwischen den Reihen sollte mindestens 50 cm betragen, der Abstand zwischen den Kartoffeln ca. 30 cm. Da Kartoffeln Starkzehrer sind, sollte der Boden bereits im Herbst mit einem Bodenaktivator gedüngt werden. Auch eine Zugabe einer guten Schicht Kompost, Hornmehl oder Hornspäne in die Pflanzgrube ist empfehlenswert.

Tipp: Vorgekeimte Kartoffeln sind nicht nur früher erntereif, sondern auch weniger anfällig für Krautfäule.

Die Ernte erfolgte früher in der Landwirtschaft, indem die Kartoffelnester mit einer Forke aus der Erde gehoben und die Kartoffeln per Hand aufgesammelt wurden. Auch so werden heutzutage noch Kartoffeln im Schrebergarten geerntet. In der modernen Landwirtschaft werden Vollernter eingesetzt.

Da Kartoffeln zu jeder Jahreszeit verfügbar sind, sind die Kartoffelkeller oder –kisten kaum noch vorhanden. Wenn überhaupt werden Kartoffeln in Holzkisten oder Weidenkörben gelagert. Die Lagerung sollte dunkel, sauber, trocken und kühl (aber ohne Frost) erfolgen Auf keinen Fall sollten Kartoffeln in Plastik gelagert werden. Kartoffeln sollten auch nie aus großer Höhe fallen gelassen werden, da sonst Druckstellen entstehen, die leicht faulen.

3. Kartoffelsorten

Bei Kartoffeln gibt es 3 Kochtypen: festkochend, vorwiegend festkochend und mehlig kochend.

  • Festkochende Kartoffeln behalten nach dem Kochen ihre feste Form, die Schale springt nicht auf, das Kartoffelfleisch ist fest, glatt, feucht und schnittfähig. Sie sind ideal für Kartoffelsalate und Salzkartoffeln. Bekannte Sorten sind Annabelle und Belana.
  • Vorwiegend festkochende Kartoffeln behalten nach dem Kochen eine mittelfeste Form, die Schale springt meist leicht auf, das Kartoffelfleisch ist mittelfest, feinkörnig und leicht trocken. Sie sind ideal für Salzkartoffeln und Röstis. Bekannte Sorten sind Allians und Laura.
  • Mehlig kochende Kartoffeln neigen nach dem Kochen zum Verfallen, die Schale springt stark auf, das Kartoffelfleisch ist mehlig, grobkörnig und trocken. Sie sind ideal für Saucenkartoffeln, Püree, Klöße, Reibekuchen und Kartoffelsuppe. Bekannte Sorten sind Agria.

Bei Kartoffeln gibt es 5 Reifegruppen: sehr früh, früh, mittelfrüh, mittelspät und sehr spät.

  • Sehr frühe Sorten werden vorgekeimt und unter Folie angebaut. Die Vegetationszeit beträgt 90 bis 110 Tage, die Ernte erfolgt im Juni/Juli. Sie sind nach der Ernte nicht lagerfähig und nicht schalenfest. Bekannte Sorten sind Annabelle und Finka.
  • Frühe Sorten müssen nicht zwingend (aber meistens) vorgekeimt und unter Folie angebaut werden. Die Vegetationszeit beträgt 110 bis 130 Tage, die Ernte erfolgt im Juli/August. Sie sind nach der Ernte nur bedingt lagerfähig (bis Weihnachten) und meistens nicht schalenfest.
  • Mittelfrühe Sorten werden nicht vorgekeimt und nicht unter Folie angebaut. Die Vegetationszeit beträgt 130 bis 150 Tage, die Ernte erfolgt im August/September. Sie sind gut lagerfähig und schalenfest.
  • Mittelspäte und sehr späte Sorten werden nicht vorgekeimt und nicht unter Folie angebaut. Die Vegetationszeit beträgt 150 bis 170 Tage, die Ernte erfolgt im September/Oktober. Sie sind bis in das Frühjahr lagerfähig und schalenfest.

4. Wichtige Krankheiten und Schädlinge

Die bekannteste Kartoffelkrankheit ist die Kraut- und Knollenfäule (Erreger „Phythophtora infestans“ – auch bekannt als Kartoffelpest. Das Schadpotential beträgt 40 bis 70 %. Bei sehr frühem Auftreten kann es auch zum Totalausfall der Ernte führen. Infektionsquellen sind Kartoffeln auf Abfallhaufen, Durchwuchs- und Pflanzkartoffeln. Symptome an der Pflanze sind braune, fast schwarze Blätter und Stiele, die im weiteren Verlauf absterben. Begünstigt wird die Fäule durch starken Niederschlag mit gleichzeitig hohen Temperaturen (über 23° C).

Für Kartoffeln schädlich ist der Kartoffelkäfer. Er ist ca. 7 bis 15 mm lang und hat 10 Längsstreifen auf dem Rücken. Der erste Befall tritt meist im Juni auf. Das Weibchen legt an der Blattunterseite jeweils Pakete mit 20 bis 80 Eiern ab. Insgesamt kann ein Weibchen bis zu 1.200 Eier legen. Nach ca. 3 bis 12 Tagen schlüpfen die Larven. Nach 2 bis 4 Wochen kriechen die Larven in den Boden, um sich dort zu verpuppen. Nach weiteren 2 Wochen schlüpfen dann die Käfer und der Kreislauf beginnt von Neuem. Im Schrebergarten ist ein Absammeln der Käfer per Hand möglich und sinnvoll. Der Einsatz von Fungiziden ist hier nicht erlaubt.

5. Verarbeitung der Kartoffel

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts betrug der Pro-Kopf-Verbrauch 285 kg Kartoffeln pro Jahr. Heute sind es nur noch knapp 60 kg/Jahr. Mehr als die Hälfte davon sind industriell verarbeitete Produkte wie Chips, Fritten, Püreepulver oder Tiefkühlgratin. Kartoffeln als Rohprodukt werden immer weniger nachgefragt, dafür immer mehr veredelte Produkte.

6. Besondere Kartoffelsorten

Bamberger Hörnchen ist eine im Schrebergarten beliebte Sorte, da sie aufgrund ihrer Form in der Landwirtschaft nur sehr aufwändig geerntet werden kann. Sie ist eine Delikatess-Kartoffel, festkochend und mit hellgelben Fleisch. Sie ist ideal als Salatkartoffel.

Eine besondere Sorte ist ebenfalls der „Blauer Schwede“. Die Kartoffel ist vorwiegend festkochend, hat eine blaue Schale und blau-lila Fleisch. Der Geschmack ist sehr kräftig. Sie ist sehr als Salat-, Back-, Pell- oder Salzkartoffel geeignet.

Die neue Sorte „Torenia“ ist eine trockenresistente Kartoffel, die besonders für heiße und trockene Sommer geeignet ist.

Wir bedanken uns bei Julian Freisendorf und Heinrich Scheiper für den sehr informativen Vortrag.

 

 


1 / 2020

Fachberatung Stadtverband: Kräuter (Januar 2020)

"Kräuterhexen" hatten es im Mittelalter nicht leicht und wurden verfolgt, teilweise sogar auf dem Scheiterhaufen verbrannt, obwohl ihr Rat schon damals sehr geschätzt wurde. Heutzutage ist die "Kräuterhexe" eher ein Ehrentitel. Das Wissen über Kräuter und ihre Verwendung ist ein kostenbares Gut.

Bereits der Vater der Heilkunde, der griechische Arzt und Begründer der Medizinwissenschaft Hippokrates von Kos (ca. 460 bis 370 vor Chr.) sowie die Äbtissin Hildegard von Bingen benutzten Heilpflanzen wie Koriander, Kümmel, Kamille, Knoblauch, Zwiebel, Fenchel, Myrrhe und Mohn. Die meisten Kräuter sind nicht giftig und richtig dosiert gut verträglich. Entscheidend ist - wie bei allem - die richtige Dosierung. So wird die sehr stark giftige Heilpflanze Fingerhut von erfahrenen Ärzten bei Herzschwäche und Herzrasen angewendet.

Löwenzahn, Vogelmiere, Giersch, Brennnesseln, Labkraut, Spitzwegerich, Klee, Blutampfer und Gänseblümchen sind bei Gärtnern unbeliebt. Die Pflanzen landen, weil sie als Unkraut gelten, auf dem Kompost oder in der Mülltonne. Das ist bedauerlich, weil die Kräuter in der Küche echte Kracher für den Gaumen und die Gesundheit sind.

Claudia Backenecker ist Kräuterfachfrau mit großer Leidenschaft für wilde Pflanzen im Kochtopf. Zwei Bücher zu diesem Thema hat sie bereits veröffentlicht: "Wildkräuter in der Küche" und "Vegetarische Dipps und Brotaufstriche", darin werden schmackhafte Ideen aus der Natur vorgestellt.

Im Vortrag erfuhren wir über die guten Inhaltstoffe von Löwenzahn, Giersch, Brennnessel, Ampfer, Hundspetersilie, Engelwurz, Wegerich, Kamille, Schafgarbe und anderen Pflanzen und viel über die alten Geschichten und Legenden der Kräuter.

Zum Vortrag hatte Frau Backenecker viele Leckereien aus diesen Kräutern zum Probieren mitgebracht, die auch gerne verkostet wurden.

Es war ein spannender Abend und so mancher Teilnehmer wird sich doch vielleicht trauen, Brennnesseln und Gänseblümchen in den Salat zu streuen, oder aus dem ungeliebten Giersch ein leckeres Gemüsegericht, Pesto, Smoothies oder eine Bowle herzustellen. Möglichkeiten gibt es zahlreiche.

Wir danken Frau Backenecker noch einmal herzlich für diesen schönen, informativen und kurzweiligen Kräuterabend.