2020

 


3 / 2020

Fachberatung Stadtverband: Praktischer Obstbaumschnitt (7. März 2020)

Erneut lud die Fachberatung im Stadtverband Dortmunder Gartenvereine zu seiner jährlichen Lehrveranstaltung „Praktischer Obstbaumschnitt“ am Samstag, den 07. März 2020 in 4 verschiedenen Gartenanlagen ein, an der jeweils ca. 15 bis 25 Gartenfreunde teilnahmen.

  • 10:00 Uhr, Gartenverein "Lütgendortmund-Nord", Dellwiger Str. 232, 44338 DO-Lütgendortmund, Referent Jochen Helle
  • 10:00 Uhr, Gartenverein "Am Neuen Hain", An der Buschmühle 60, 44139 DO-Mitte, Referent Frank Gerber
  • 14:00 Uhr, Gartenverein "Im Massbruch", Gevelsbergstr. 120, 44287 DO-Schüren, Referent Jochen Helle
  • 14:00 Uhr, Gartenverein "Hohwart“, Geßlerstr. 21, 44141 DO-Wambel, Referent Frank Gerber

Schnittkurs im Gartenverein "Am neuen Hain"

Im theoretischen Teil wurden den Gartenfreunden u. a. der Aufbau eines Obstbaumes, die Pflanzbedingungen, die Schnitt-Arten sowie Schnitt-Techniken ausführlich erläutert. Mit einem regelmäßigen Schnitt wird erwirkt, dass sich ein stabiles Traggerüst bildet, dadurch ein früherer Ertragsbeginn einsetzt, die Fruchtqualität durch bessere Belichtung sich erhöht, die Bäume langlebiger und leistungsfähiger werden und somit Ernteschwankungen gemildert werden. Die Schnittzeit erfolgt in der Vegetationsruhe – ca. November bis März. Ausnahme: Kirschbäume werden im Sommer aufgrund besserer Wundheilung und Wachstumsbremse geschnitten. Mirabellen und Pflaumen sind nicht so schnittbedürftig. Obstbäume, die im Herbst gepflanzt werden, haben eine bessere Anwachsgarantie.

Schnittkurs im Gartenverein "Im Massbruch"

Im praktischen Teil führten der Mitarbeiter des Stadtverbandes Dortmunder Gartenvereine Dipl.-Ing. Frank Gerber und der Obstgehölzpfleger Jochen Helle verschiedene Schnittdemonstationen an Apfelbäumen vor. Auf den Pflanzschnitt, Instandhaltungsschnitt sowie Verjüngungsschnitt wurde noch einmal eingegangen.

Schnittkurs im Gartenverein "Hohwart"

Alles im allen waren es sehr informative Veranstaltungen und das Wetter spielte auch mit. Ein herzliches Dankeschön an die jeweiligen Gartenvereine für ihre Gastfreundlichkeit.

Bericht: Kerstin Michel

 


2 / 2020

Fachberatung Stadtverband: Kartoffeln (Februar 2020)

Sie heißen Belana, Laura, Linda, Sieglinde oder Annabell und sind keine Schwestern, sondern in Deutschland sehr beliebte Kartoffelsorten. Weltweit gibt es über 4.000 verschiedene Sorten, in Deutschland sind 210 Sorten zugelassen, davon verbleiben 150 Sorten Speisekartoffeln, der Rest sind Verarbeitungs- und Stärkesorten wie z. B. für Pommes, Chips oder Stärke für die Industrie.

Es gibt Sorten mit gelb/weißem, violettem bzw. rot/blauem Fleisch und sie können rund, länglich, oval oder auch krumm wie die Bamberger Hörnchen sein. Über diese Vielfalt, den Geschmack, die Kocheigenschaften und die Lagerfähigkeit der Kartoffeln sowie den Anbau von trockenheitsverträglichen Sorten berichtete der Landwirt Julian Freisendorf - unterstützt von Heinrich Scheiper von Scheipers Mühle - auf der Fachberatung.

1. Herkunft der Kartoffel

Die ursprüngliche Herkunft der Kartoffel sind die Anden in Südamerika. Die Verbreitung nach Europa erfolgte im späten 16. Jahrhundert über die spanischen Seefahrer. Der erste Anbau erfolgte zunächst nur als Zierpflanze, da nur die Blätter und Früchte genutzt wurden, die aber wegen ihres Solanin-Gehalts giftig sind. Erst später entdeckte man, dass die Kartoffelknolle sehr nahrhaft ist. In Preußen wurden die Verbreitung und der Anbau der Kartoffel durch Friedrich der Große angetrieben, um die Hungersnöte der Bevölkerung zu lindern. Seitdem hat die Kartoffel maßgeblich zur Ernährungssicherheit der Bevölkerung beigetragen. Erst seit dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts ist der Pro-Kopf-Verbrauch der Kartoffel durch Pasta, Pizza, Burger & Co. merklich gesunken.

2. Kartoffelanbau und Kartoffellagerung

Kartoffeln bevorzugen einen lockeren, nährstoffreichen Boden. Der Boden sollte auch abgetrocknet und warm sein. Daher sollte Kartoffeln nicht zu früh ins Freiland gesetzt werden. Die dauerhafte Temperatur sollte über 8° C betragen. Große Probleme bereiten schwere Böden mit Staunässe. Hier kann Abhilfe geschaffen werden, indem dem Boden Sand beigegeben wird und im Herbst tief umgegraben wird (mit anschließender Frostgare). Auch eine Zugabe von Oscorna Bodenaktivator ist sehr empfehlenswert.

Generell sollten Kartoffeln nur alle 4 Jahre am gleichen Standort angebaut werden (Fruchtwechsel). Beachtet werden muss hierbei, dass Tomaten jedoch unter denselben Krankheiten leiden wie Kartoffeln.

Bei der Düngung ist zu beachten, dass Kartoffeln zwar einen nährstoffreichen Boden bevorzugen, aber empfindlich auf eine Stickstoff-Überdüngung reagieren. Ein Zuviel an Stickstoff erhöht nicht nur die Krankheitsanfälligkeit, sondern wirkt sich auch negativ auf Geschmack und Lagerung der Kartoffel aus. Eine Kalkung ist nicht empfehlenswert, da Kartoffeln einen leicht sauren Boden (ph-Wert um 6,2) bevorzugen. Kalimagnesia fördert dagegen die Gesundheit, Lagerfähigkeit und Geschmack der Kartoffel. Empfehlenswert ist auch eine Gründüngung (vermischt mit Ölrettich), die im Winter vergeht und im Frühjahr eingearbeitet wird.

Früher wurden in der Landwirtschaft Kartoffeln gesetzt, indem mit einer Hacke eine Setzfurche gezogen wurde; die Kartoffeln wurden per Hand gelegt; anschließend wurde die Setzfurche mit der Hacke wieder angehäufelt. So wird heutzutage noch im Schrebergarten verfahren. Die Arbeit mit Traktoren erleichterte die Arbeit enorm. In der heutigen Landwirtschaft erfolgen das Ziehen der Furche, das Setzen der Kartoffeln, das Schließen der Furche sowie die Zugabe von Beizmitteln gegen Krankheiten in einem Arbeitsgang.

Der Abstand zwischen den Reihen sollte mindestens 50 cm betragen, der Abstand zwischen den Kartoffeln ca. 30 cm. Da Kartoffeln Starkzehrer sind, sollte der Boden bereits im Herbst mit einem Bodenaktivator gedüngt werden. Auch eine Zugabe einer guten Schicht Kompost, Hornmehl oder Hornspäne in die Pflanzgrube ist empfehlenswert.

Tipp: Vorgekeimte Kartoffeln sind nicht nur früher erntereif, sondern auch weniger anfällig für Krautfäule.

Die Ernte erfolgte früher in der Landwirtschaft, indem die Kartoffelnester mit einer Forke aus der Erde gehoben und die Kartoffeln per Hand aufgesammelt wurden. Auch so werden heutzutage noch Kartoffeln im Schrebergarten geerntet. In der modernen Landwirtschaft werden Vollernter eingesetzt.

Da Kartoffeln zu jeder Jahreszeit verfügbar sind, sind die Kartoffelkeller oder –kisten kaum noch vorhanden. Wenn überhaupt werden Kartoffeln in Holzkisten oder Weidenkörben gelagert. Die Lagerung sollte dunkel, sauber, trocken und kühl (aber ohne Frost) erfolgen Auf keinen Fall sollten Kartoffeln in Plastik gelagert werden. Kartoffeln sollten auch nie aus großer Höhe fallen gelassen werden, da sonst Druckstellen entstehen, die leicht faulen.

3. Kartoffelsorten

Bei Kartoffeln gibt es 3 Kochtypen: festkochend, vorwiegend festkochend und mehlig kochend.

  • Festkochende Kartoffeln behalten nach dem Kochen ihre feste Form, die Schale springt nicht auf, das Kartoffelfleisch ist fest, glatt, feucht und schnittfähig. Sie sind ideal für Kartoffelsalate und Salzkartoffeln. Bekannte Sorten sind Annabelle und Belana.
  • Vorwiegend festkochende Kartoffeln behalten nach dem Kochen eine mittelfeste Form, die Schale springt meist leicht auf, das Kartoffelfleisch ist mittelfest, feinkörnig und leicht trocken. Sie sind ideal für Salzkartoffeln und Röstis. Bekannte Sorten sind Allians und Laura.
  • Mehlig kochende Kartoffeln neigen nach dem Kochen zum Verfallen, die Schale springt stark auf, das Kartoffelfleisch ist mehlig, grobkörnig und trocken. Sie sind ideal für Saucenkartoffeln, Püree, Klöße, Reibekuchen und Kartoffelsuppe. Bekannte Sorten sind Agria.

Bei Kartoffeln gibt es 5 Reifegruppen: sehr früh, früh, mittelfrüh, mittelspät und sehr spät.

  • Sehr frühe Sorten werden vorgekeimt und unter Folie angebaut. Die Vegetationszeit beträgt 90 bis 110 Tage, die Ernte erfolgt im Juni/Juli. Sie sind nach der Ernte nicht lagerfähig und nicht schalenfest. Bekannte Sorten sind Annabelle und Finka.
  • Frühe Sorten müssen nicht zwingend (aber meistens) vorgekeimt und unter Folie angebaut werden. Die Vegetationszeit beträgt 110 bis 130 Tage, die Ernte erfolgt im Juli/August. Sie sind nach der Ernte nur bedingt lagerfähig (bis Weihnachten) und meistens nicht schalenfest.
  • Mittelfrühe Sorten werden nicht vorgekeimt und nicht unter Folie angebaut. Die Vegetationszeit beträgt 130 bis 150 Tage, die Ernte erfolgt im August/September. Sie sind gut lagerfähig und schalenfest.
  • Mittelspäte und sehr späte Sorten werden nicht vorgekeimt und nicht unter Folie angebaut. Die Vegetationszeit beträgt 150 bis 170 Tage, die Ernte erfolgt im September/Oktober. Sie sind bis in das Frühjahr lagerfähig und schalenfest.

4. Wichtige Krankheiten und Schädlinge

Die bekannteste Kartoffelkrankheit ist die Kraut- und Knollenfäule (Erreger „Phythophtora infestans“ – auch bekannt als Kartoffelpest. Das Schadpotential beträgt 40 bis 70 %. Bei sehr frühem Auftreten kann es auch zum Totalausfall der Ernte führen. Infektionsquellen sind Kartoffeln auf Abfallhaufen, Durchwuchs- und Pflanzkartoffeln. Symptome an der Pflanze sind braune, fast schwarze Blätter und Stiele, die im weiteren Verlauf absterben. Begünstigt wird die Fäule durch starken Niederschlag mit gleichzeitig hohen Temperaturen (über 23° C).

Für Kartoffeln schädlich ist der Kartoffelkäfer. Er ist ca. 7 bis 15 mm lang und hat 10 Längsstreifen auf dem Rücken. Der erste Befall tritt meist im Juni auf. Das Weibchen legt an der Blattunterseite jeweils Pakete mit 20 bis 80 Eiern ab. Insgesamt kann ein Weibchen bis zu 1.200 Eier legen. Nach ca. 3 bis 12 Tagen schlüpfen die Larven. Nach 2 bis 4 Wochen kriechen die Larven in den Boden, um sich dort zu verpuppen. Nach weiteren 2 Wochen schlüpfen dann die Käfer und der Kreislauf beginnt von Neuem. Im Schrebergarten ist ein Absammeln der Käfer per Hand möglich und sinnvoll. Der Einsatz von Fungiziden ist hier nicht erlaubt.

5. Verarbeitung der Kartoffel

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts betrug der Pro-Kopf-Verbrauch 285 kg Kartoffeln pro Jahr. Heute sind es nur noch knapp 60 kg/Jahr. Mehr als die Hälfte davon sind industriell verarbeitete Produkte wie Chips, Fritten, Püreepulver oder Tiefkühlgratin. Kartoffeln als Rohprodukt werden immer weniger nachgefragt, dafür immer mehr veredelte Produkte.

6. Besondere Kartoffelsorten

Bamberger Hörnchen ist eine im Schrebergarten beliebte Sorte, da sie aufgrund ihrer Form in der Landwirtschaft nur sehr aufwändig geerntet werden kann. Sie ist eine Delikatess-Kartoffel, festkochend und mit hellgelben Fleisch. Sie ist ideal als Salatkartoffel.

Eine besondere Sorte ist ebenfalls der „Blauer Schwede“. Die Kartoffel ist vorwiegend festkochend, hat eine blaue Schale und blau-lila Fleisch. Der Geschmack ist sehr kräftig. Sie ist sehr als Salat-, Back-, Pell- oder Salzkartoffel geeignet.

Die neue Sorte „Torenia“ ist eine trockenresistente Kartoffel, die besonders für heiße und trockene Sommer geeignet ist.

Wir bedanken uns bei Julian Freisendorf und Heinrich Scheiper für den sehr informativen Vortrag.

 

 


1 / 2020

Fachberatung Stadtverband: Kräuter (Januar 2020)

"Kräuterhexen" hatten es im Mittelalter nicht leicht und wurden verfolgt, teilweise sogar auf dem Scheiterhaufen verbrannt, obwohl ihr Rat schon damals sehr geschätzt wurde. Heutzutage ist die "Kräuterhexe" eher ein Ehrentitel. Das Wissen über Kräuter und ihre Verwendung ist ein kostenbares Gut.

Bereits der Vater der Heilkunde, der griechische Arzt und Begründer der Medizinwissenschaft Hippokrates von Kos (ca. 460 bis 370 vor Chr.) sowie die Äbtissin Hildegard von Bingen benutzten Heilpflanzen wie Koriander, Kümmel, Kamille, Knoblauch, Zwiebel, Fenchel, Myrrhe und Mohn. Die meisten Kräuter sind nicht giftig und richtig dosiert gut verträglich. Entscheidend ist - wie bei allem - die richtige Dosierung. So wird die sehr stark giftige Heilpflanze Fingerhut von erfahrenen Ärzten bei Herzschwäche und Herzrasen angewendet.

Löwenzahn, Vogelmiere, Giersch, Brennnesseln, Labkraut, Spitzwegerich, Klee, Blutampfer und Gänseblümchen sind bei Gärtnern unbeliebt. Die Pflanzen landen, weil sie als Unkraut gelten, auf dem Kompost oder in der Mülltonne. Das ist bedauerlich, weil die Kräuter in der Küche echte Kracher für den Gaumen und die Gesundheit sind.

Claudia Backenecker ist Kräuterfachfrau mit großer Leidenschaft für wilde Pflanzen im Kochtopf. Zwei Bücher zu diesem Thema hat sie bereits veröffentlicht: "Wildkräuter in der Küche" und "Vegetarische Dipps und Brotaufstriche", darin werden schmackhafte Ideen aus der Natur vorgestellt.

Im Vortrag erfuhren wir über die guten Inhaltstoffe von Löwenzahn, Giersch, Brennnessel, Ampfer, Hundspetersilie, Engelwurz, Wegerich, Kamille, Schafgarbe und anderen Pflanzen und viel über die alten Geschichten und Legenden der Kräuter.

Zum Vortrag hatte Frau Backenecker viele Leckereien aus diesen Kräutern zum Probieren mitgebracht, die auch gerne verkostet wurden.

Es war ein spannender Abend und so mancher Teilnehmer wird sich doch vielleicht trauen, Brennnesseln und Gänseblümchen in den Salat zu streuen, oder aus dem ungeliebten Giersch ein leckeres Gemüsegericht, Pesto, Smoothies oder eine Bowle herzustellen. Möglichkeiten gibt es zahlreiche.

Wir danken Frau Backenecker noch einmal herzlich für diesen schönen, informativen und kurzweiligen Kräuterabend.